Seit Tagen quälen wir uns bei schwachem bis gar keinem Wind unter Motorgerappel nach Norden. Waren wir doch bisher weitestgehend von unangenehmen Squalls verschont geblieben, hat es uns dann doch in der letzten Nacht voll erwischt. Es näherte sich von Norden eine riesige schwarze Wolkenformation mit einem schönen schwarzen unteren Rand. Keine Chance, diesem Gebilde irgendwie auszuweichen. Um 3.30 Uhr schlug sie dann zu. Erst kein Wind, dann auf einmal eine fette Bö. Der Versuch, die Genua einzurollen, schlug fehl. Irgendwas hatte sich verheddert und konnte erstmal nicht klariert werden. Zumindest war sie teilweise gerefft. Das war schonmal etwas. Mittlerweile waren wir beide einmal weichgespült. Das Wasser haute vom Himmel, als gäbe es kein Morgen. Dann fiel der Öldruck vom Motor, also aus das Ding abkühlen lassen und dann Öl auffüllen. Solange drifteten wir im wieder verschwundenen Wind dahin. Der Squall bewegte sich für Stunden nicht vom Fleck und wir auch nicht. Es schüttete immer noch wie aus Eimern. Eigentlich wollten wir das aussitzen, um nicht wieder total nass zu werden. aber dann kam die Erkenntnis, wenn sich keiner bewegt, hängen wir noch am Sanktnimmerleinstag hier drin. Also raus in den Regen und Motor an. Es dauerte dann tatsächlich noch bis früh um 8 Uhr, bis wir uns endlich „frei geschwommen“ hatten.
Dann der nächste Alarm: der Drehzahlmesser steht auf Null und die Lichtmaschine lädt nicht mehr. Stundenlange Fehlersuche. Alle Kabel gecheckt, die Birne der Kontrollleuchte kontrolliert, das Starterrelais vorsichtshalber ausgewechselt, Sicherung ausgetauscht, obwohl die in Ordnung schien. Kein Erfolg. Ist die Lichtmaschine etwa kaputt? Das wäre eine mittlere Katastrophe. Bei fehlender Sonne keine Batterieladung, der Wassermacher kann nicht betrieben werden, es muss an allem Strom gespart werden, was irgendwie möglich ist. Duschen fällt aus, Abwasch nur mit Salzwasser usw. Dann der letze Versuch. Und der brachte den Durchbruch. Eine Kohle von der Lichtmaschine war total runter, die andere noch fast voll da. Jetzt ging die Suche nach neuen Kohlen los. Wir haben Ersatz für den Autopiloten und die Ankerwinsch dabei. Beide viel zu groß. Dann fiel uns ein, wir haben ja noch die alte, defekte Lichtmaschine an Bord vergraben. Die funktionierte nun als Ersatzteillager. Regler da aus- und in die gute Lichtmaschine eingebaut, Test: HURRA!!! Es läuft wieder! Alle Schreckensszenarien wieder zurück in die Schublade! Was für eine Erleichterung!

Der Lichtmaschinenregler. Eine Kohle ist ganz abgearbeitet
Einen kleinen letzten Dämpfer bekamen wir dann doch noch. Die Dieselpumpe, mit der wir den Diesel vom Kieltank in den Tagestank umpumpen, will nicht mehr. Aber da haben wir noch Ersatz an Bord. Das machen wir erst morgen, für heute reicht es. Det Motor bleibt erstmal aus und wir kreuzen mit 3,5 bis 4 kn Richtung Kapverden. Bis wir da ankommen dauert noch. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen



Wünsche euch einen guten Törn. Always fair winds.