Wie schnell die Zeit vergeht. Vor ziemlich genau 17 Jahren sind wir in Hamburg gestartet. Wir wussten noch nicht so wirklich wohin. Erstmal weg mit dem Wind. Rainers Hauptwunsch war Salvador de Bahia in Brasilien (passend zum Karneval). Dann wollten wir weitersehen. Gedacht war der übliche Weg über die Karibik und den Panamakanal in den Pazifik. Aber dann kam alles ganz anders. Brasilien gefiel uns so gut, dass wir erst einmal weiter die Küste nach Süden wollten. Abdrehen Richtung Norden war immer noch die Option. Aber die Ideen kamen mit der Zeit. Nächster Wunsch: Buenos Aires. Da mussten wir unbedingt hin. Vom Rio de la Plata kann man auch noch nach Norden Richtung Karibik 😉

Bei den Wasserfällen von Iguazu (Argentinien)
Dann kamen wir nach Uruguay und in Piriapolis trafen wir Mariolina und Giorgio, die Verfasser der „Patagonien-Bibel“. Und diese beiden haben uns dann den Floh ins Ohr gesetzt, nach Patagonien zu segeln und über die Kanäle in den Pazifik zu gehen. Und wie das so ist, die Begeisterung stieg mit jedem Gespräch. Nach einem Jahr im Rio de la Plata (Argentinien und Uruguay im 3-Monats-Wechsel wegen des Visums) ging es statt nach Norden doch nach Süden. Und wir haben es nicht bereut! Der Weg war beschwerlich mit viel (teilweise sehr viel) Wind. Aber die Erlebnisse in Patagonien haben uns dafür um ein Vielfaches entschädigt! Zwei Monate in den Kanälen, viele schöne Ankerplätze, viele Tierbegegnungen, manchmal morgens Schnee an Deck (im Sommer!), Begegnungen mit Centolla-Fischern, die uns für ein paar Zigaretten und Wein die noch lebenden Tiere ins Cockpit legten (Geld spielt hier keine Rolle, es gibt nichts zu kaufen). Diese Tour würden wir immer wieder machen.

Meerebaer im Eis
Von Puerto Montt aus ging es dann endlich weiter Richtung Wärme. Erst Gambier, dann Tahiti, und die anderen Inseln in Französisch Polynesien. Leider haben wir die Tuamotus ausgelassen. Auf dem Weg zu den Gambiers war unser Kühlschrank kaputt gegangen und erst in Tahiti gab es das Ersatzteil. Dieser Umstand hatte uns dazu bewogen, auf direktem Weg dorthin zu segeln. Naja, man kann halt nicht alles sehen.

Die riesigen Pomelos von Gambier
Von franz. Polynesien ging es weiter über Tonga nach Neuseeland. Es stand das erste größere Refit für Meerbaer an. Dann im Halbjahreswechsel mehrmals Neuseeland – Tonga – Fiji – Neuseeland – Fiji – Neukaledonien – Neuseeland – Fiji – Neukaledonien.

Covid-Zeit in Neuseeland
Die Covid-Zeit haben wir entspannt und bequem. ohne größere Einschränkungen, in Neuseeland verbracht. Dann war es genug. Wir wollten was Neues sehen. Also ein letztes Mal Fiji – Neukaledonien, aber dann nach Australien. Vom Bundaberg aus entlang der Ostküste nach Süden. Wir wollten zu Silvester in Sydney sein. Und das hat auch geklappt. Das Feuerwerk konnten wir vom Ankerplatz aus wunderbar verfolgen. Ein tolles Erlebnis!

Sydney
Aber vorher ging es noch an der Küste längs bzw. durch die Binnengewässer, wo wir tolle Freundschaften geschlossen haben. Der nächste Besuch galt der Batemans Bay. Hier wohnen ein Onkel, Cousins und eine Cousine von Rainer und die wollten wir unbedingt besuchen. Zusammen haben wir ein paar schöne Tage verbracht und der Abschied fiel schwer. Aber wir wollten und mussten weiter. Unser Visum galt für ein Jahr und das ist schnell rum. Wir wollten auf jeden Fall noch nach Tasmanien segeln und da wurde es Zeit, die Segel wieder zu hissen. Der Weg nach Tasmanien hatte es in sich, aber das ist ja allgemein bekannt. Die Bass-Strait ist berüchtigt für ihre starken Westwinde mit erheblichem Seegang. Aber Meerbaer hat die Herausforderung bestens gemeinstert (die Crew natürlich auch) und wir konnten danach entspannt entlang der Ostküste von Tasmanien segeln und in Hobart kostenlos in der Stadtmarina für ein paar Tage bleiben. Proviant bunkern und dann auf Erkundungstour gehen. Es gibt viele tolle Ankerplätze, viel Natur und super nette Leute. Hier könnten wir uns vorstellen, auf Dauer zu leben.

Wilde Äpfel und Beeren in Hülle und Fülle
Die Zeit drängte und wir starteten wieder nach Norden. In 5 Monaten haben wir 2.500 sm von Tasmanien nach Thursday Island meist in Tagesetappen hinter uns gebracht. Dann hieß es „Bye bye Australien“, Indonesien, wir kommen! Natürlich wieder nicht der „übliche“ Weg über Bali, sondern Saumlaki, Wangi Wangi, Makassar, Kalimatan nach Belitung. Wir hatten lediglich ein 2-Monats-Visum, das nicht verlängerbar war und so waren wir doch ziemlich in Eile, konnten aber wenigstens noch die Orang Utans am Kumai-River besuchen.

Ordentlich Betrieb in der Straße von Singapur
Von Saumlaki aus ging es weiter nach Norden über die Straße von Singapur nach Malaysia. Wenig bis kaum Wind machten es uns schwer, zumal zwischendurch unser Getiebe nicht mehr wollte. Es war ziemlich mühsam, aber wir haben es gemeistert. Die Ersatzteile lagen in Malakka bereit und wir konnten mit viel Mühe das Getriebe wieder zum Leben erwecken. Der Rest bis Langkawi war es dann doch recht entspannt. Tja, und von Langkawi ging es dann nach drei Monaten (Visum zu Ende) nach Phuket/Thailand und wieder zurück. Und das zweimal, dann war es genug. Es zog uns mal wieder weiter. Diesmal nach Nord-Sumatra und von da aus entlang der Westküste bis Padang, etwa in der Mitte von Sumatra. Das war unser Absprung über den Indischen Ozean Richtung Südafrika. Natürlich mit einem Umweg über Madagaskar. Die Überfahrt war anspruchsvoll und spannend. Drei Wochen bis Rodriguez, dann über Mautitius entlang der Ostküste von Madagaskar um die Nordspitze und dann nach Nosy Be zum Einklarieren.

Der Baobab-Baum, Wahrzeichen von Madagaskar
Danach stand die Überquerung der berüchtigten Straße von Mozambique an. Turbulente Strömungen, häufige Windwechsel, kein Revier, um Flauten auszusitzen, weil der nächste Wetterumschwung bestimmt kommt.
Dann endlich: Südafrika! Ein tolles Land. Wir waren total begeistert. Leider wenig Ankerplätze, dafür sind die Marinas relativ günstig. Zwar nicht „schickimicki“, manchmal etwas heruntergekommen, aber immer nette und hilfsbereite Leute. Die Organisation „OSASA“ kümmert sich um die durchreisenden Segler und die Volunteers machen einen tollen Job.

Besuch im Wildpark
Das Umrunden von Cap Agulhas und Cap der guten Hoffnung verlief recht unspektakulär (zum Glück!). Der Besuch von Kapstadt war obligatorisch, dann ging es weiter nach Saldanha, unserem letzten Platz in Südafrika.
Von da aus zur Walfis-Bay in Namibia und dann nach St. Helena und von dort aus Richtung Äquator und zu den Kapverden. Und da sind wir nun und haben eine Weltumsegelung vollendet, die eigentlich so gar nicht geplant war. Wir wollten eigentlich „durch“ die Welt segeln, und nicht drum herum. Nun ist es doch dazu gekommen 😉

Besuch von einem Walhai am Ankerplatz
Unsere weiteren Pläne: Im Juni zu den Azoren, dann Richtung Englischer Kanal nach Hamburg. Der Platz für den Winter ist schon bestellt. Langfahrtsegeln ist wohl nicht mehr angesagt. Ostsee und Nordsee bieten jede Menge zu entdecken, und das meistens in bequemen Tagesetappen. Aber das ist Zukunftsmusik. Erstmal ankommen!

Wir feiern unsere Weltumsegelung mit einem Fläschchen Sekt




Glückwunsch wir stoßen mit euch in Hamburg an! Fair Winds, Gislid und Michael, Ex⛵️Julo